Jüdische Geschichte Salzburgs

Salzburg war Jahrhunderte lang ein nicht-säkulares Fürstentum, in dem der katholischer Erzbischof zugleich auch die weltliche Macht inne hatte - quasi wie im Vatikan. Da mag es überraschen, dass Salzburg ein reichhaltiges und altes jüdisches Erbe hat. Lückenhafte Quellen weisen darauf hin, dass sich schon zur Zeit der Römer Juden in Salzburg aufgehalten haben, beziehungsweise in der römischen Stadt Iuvavum im Gebiet der heutigen Altstadt.

Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches verfiel Iuvavum und wurde erst im 8. Jahrhundert wiederbegründet. Bischof Arno von Salzburg (785 bis 871) war ein enger Freund von Kaiser Karl dem Großen. Er wurde einem Brief zufolge von einem jüdischen Arzt behandelt, einem "medicum iudaicum" - der älteste Beleg für die Präsenz von Juden in der poströmischen Zeit.

Juden im mittelalterlichen Salzburg

Urkunden aus dem 12. Jahrhundert beziehen sich schon auf die Judengasse in der Altstadt. Was heute eine der treuersten Einkaufsstraßen Österreichs ist, war einmal Heimat für eine jüdische Gemeinde. Das Haus in der Judengasse 15 wurde als Gebetshaus bezeichnet, und zwar in einem Dokument aus dem Jahr 1370. Das Gebäude wurde später zu einer Brauerei und dient heute als Hotel.

Im späten Mittelalter kam es in ganz Europa vermehrt zu Pogromen und Übergriffen auf die jüdische Bevölkerung. Salzburg war da keine Ausnahme: Im Jahr 1492 wurden Juden im Stadtteil Mülln auf dem Scheiterhaufen verbrannt, Juden wurden aus dem Fürstentum Salzburg verbannt. Dieser Bann überdauerte Jahrhunderte. Erst mit den Napoleonischen Kriegen und der Säkularisierung Salzburgs durften sich wieder Juden in Salzburg niederlassen. Volle Bürgerrechte erhielten sie aber auch im Habsburgerreich erst mit dem Ausgleich 1866.

Salzburg erholte sich nur sehr langsam von den Napoleonischen Kriegen und erst mit dem Aufkommen des Fremdenverkehrs im späten 19. Jahrhundert kam es zu einem spürbaren und anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung. Damit verbunden war auch ein Zuzug von Menschen aus Wien und anderen Zentren des Reichs - darunter auch viele Juden. Im Jahr 1893 wurde eine Synagoge gebaut, ein Jahr später ein jüdischer Friedhof im Stadtteil Aigen. Sowohl Synagoge als auch Friedhof existieren noch heute.

Jüdische Geschichte seit dem 19. Jahrhundert

Einer der jüdischen Wiener, die sich in Salzburg aufhielten, war übrigens Theodor Herzl - Vater des Zionismus, Anwalt und Journalist. Er arbeitete am Salzburger Landesgericht und schrieb in einem Brief, dass er einige der schönsten Stunden seines Lebens in Salzburg verbracht hatte. Genau diese Passage wurde vor einigen Jahren als Inschrift auf dem Mozartplatz verewigt - ohne den darauffolgenden Satz, dass er als Jude keine Chance hätte, in Salzburg jemals zum Richter berufen zu werden.

Dies führte in den 1990er Jahren zu einer Kontroverse - Tourismuskitschvertreter und sonstige Verklärer gegen Leute, die sich an der offensichtlich verzerrende Darstellung des Briefes stießen. Letztendlich wurde eine neue Steintafel mit vollständigem Zitat angebracht. Sie befindet sich noch heute am Mozartplatz.

Wobei man auch beachten sollte, dass sich nicht jeder Jude in Salzburg ausgegrenzt fühlte. Der Historiker Adolf Altmann lebte von 1907 bis 1920 in Salzburg und publizierte hier seine "Geschichte der Juden in Stadt und Land Salzburg". Der Dramatiker Max Reinhardt und der Dichter Hugo von Hoffmannsthal waren führende Persönlichkeiten bei der Gründung der Salzburger Festspiele. Der Schriftsteller Stefan Zweig lebte mehrere Jahre lang im Paschinger Schlössl am Kapuzinerberg. Das Gebäude wurde in Folge in den 1930er Jahren zu einem Treffpunkt für international bedeutsame Künstler und Intellektuelle.

Holocaust & Jüdische Gemeinde heute

Der deutsche Dramatiker und Jude Carl Zuckmayer floh 1933 vor den Nazis in seinen Sommersitz in Henndorf am Wallersee. Fünf Jahre später floh er weiter in die Schweiz: Mit dem Anschluss wurden auch in Österreich Repressionen gegen Juden alltäglich. Schon bald nach dem Anschluss wurde die Salzburger Synagoge zerstört, jüdisches Eigentum - wie auch anderswo in Österreich - arisiert; meistens in der Form, dass die jüdischen Eigentümer gezwungen wurden, ihr Hab und Gut zu einem sehr niedrigen Preis zu verkaufen. Stefan Zweig zog erst nach Großbritannien, später nach Brasilien, wo er gemeinsam mit seiner Frau Suizid verübte.

Insgesamt verließen etwa 100.000 jüdische Österreicher das Land, weitere 70.000 fielen dem Holocaust zum Opfer. Insgesamt kamen im Zuge des Zweiten Weltkrieges 375.000 Österreicher zu Tode, etwa 5,5 Prozent der Gesamtbevölkerung (etwa 70 Prozent davon als Soldaten der Wehrmacht).

Nach dem Krieg erholte sich die jüdische Gemeinde in Salzburg nicht mehr. Sie besteht heute aus etwa 100 Menschen, die meisten davon sind entweder sehr alt oder nicht alteingesessen. Die Synagoge in der Lasserstraße wird auch als Gebetsraum für die vielen jüdischen Touristen offen gehalten, die jedes Jahr nach Salzburg kommen. Der Friedhof in Aigen ist abgesperrt.

Links

http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Juden_in_%C3%96sterreich
Geschichte des Judentums in Österreich

http://www.ikg-salzburg.at/
Israelitische Kultusgemeinde Salzburg

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