Erzstift St. Peter:
Älteste Benediktinerabtei nördlich der Alpen

Der Stadtteil rund um die Benediktinerabtei "Erzstift St. Peter" ist das älteste Viertel von Salzburg. Von jungsteinzeitlichen Lagern am Rainberg abgesehen dürften sich hier schon seit vorrömischen Zeiten kontinuierlich bewohnte Häuser befunden haben. Der Haupteingang zur Abtei liegt der Franziskanerkirche zugewandt. St. Peter ist die älteste Abtei im deutschsprachigen Raum, manche sagen die älteste durchgängig geführte nördlich der Alpen. Auf jeden Fall lässt sich die Geschichte von St. Peter verbindlich bis ins Jahr 696 zurückverfolgen, das Jahr, in dem St. Rupert das Kloster offiziell gegründet hat.

Rupert brauchte eine Zentrale für seine Missionsarbeit; er hat vermutlich auf eine bestehende Gruppe von Mönchen zurückgegriffen, die er in den Ruinen der Römerstadt Iuvavum antraf. Diese Gruppe könnte wiederum auf die Missionstätigkeit des Heiligen Severin zurückgeführt werden, der im 5. Jahrhundert lebte. Diese Spekulationen stützen sich auf geschriebene Dokumente und Mauern auf dem Areal von St. Peter, die auf das 5. Jahrhundert datiert werden.

Von 696 bis 987 war der Abt von St. Peter zugleich immer auch Bischof von Salzburg. Erst danach wurden die beiden Ämter getrennt, wobei St. Peter noch bis ins Jahr 1110 die Residenz des Bischofs blieb. Im Mittelalter erwuchs ein Wettbewerb zwischen Stift St. Peter und dem Bischof. Beide Institutionen wurden zunehmend wohlhabend, der Ruhm St. Peters begründete sich vornehmlich auf das bekannte Skriptorium des Stiftes. Im 15. Jahrhundert beteiligte sich St. Peter an den Melker Reformen.

Barocker Ausbau von St. Peter

1622 wurde St. Peter weiter aufgewertet, als Fürst Erzbischof Paris Lodron die Universität Salzburg auf dem Gebiet der heutigen Unibibliothek gründete. Es sollte eine Benediktineruniversität unter der Leitung St. Peters werden. Der Stift führte die Geschäfte der Hochschule bis zur Säkularisierung Salzburgs im Jahr 1810, der sie als Volluniversität zum Opfer fiel. Die Uni wurde danach zu einem Lyceum und erst in den 1960er Jahren neubegründet. Auch der "Neuaufbau" ist eng an St. Peter gebunden: Abt Karl Klotz legte schon 1926 den Grundstock dafür. Im folgenden Jahr wurde St. Peter zur Erzabtei erhoben.

Die Zeit des Nationalsozialismus war eine dunkle für St. Peter: Die Mönche mussten den Stift verlassen, das Eigentum St. Peters wurde konfisziert. Immerhin blieb dem Stift jedoch die formelle Auflösung erspart und die Mönche kehrten unmittelbar nach Kriegsende wieder zurück. St. Peter ist heute einer der wichtigsten Immobilienbesitzer in Salzburg. Gewinne des Stiftes tragen maßgeblich zu karitativen, spirituellen und kulturellen Projekten des Stiftes und seiner etwa 20 Mönche bei.

2010 machte St. Peter bundesweit Schlagzeilen, als Erzabt Bruno Becker schon in seinem ersten Jahr in Amt und Würden zurücktrat. Er gestand einen Fall von Kindesmissbrauch aus dem Jahr 1970. Die Angelegenheit wurde just zu einem Zeitpunkt aufgedeckt, als eine Welle von Missbrauchsanschuldigungen kirchliche und andere Internate in ganz Europa traf. Entsprechend stark waren die Reaktionen in Salzburg, wo St. Peter in großem Ansehen steht.

Architektur der Stiftskirche

Zur Architektur des Stiftes und der Stiftskirche: Das Kerngebäude der Stiftskirche ist hochromanisch und stammt aus der Zeit der Gründung St. Peters. Es wurde jedoch mit barocken Elementen verziert und vor allem im 17. Jahrhundert stark verändert. Federführend war Abt Beda Seeauer. Die Stiftskirche wurde in Folge eines der vielen Gebäude in Salzburg, die sowohl frühbarocke als auch Elemente des Rokoko trägt.

Die erste Kirche an dieser Stelle wurde vermutlich unmittelbar nach dem Tode von St. Rupert errichtet, davon blieben allerdings nur die Grundmauern unter dem Westturm erhalten. Nach einem Feuer im Jahr 1127 wurde die heute bestehende Basilika unter Abt Balderich erbaut und um 1130 fertiggestellt.

Das Hauptschiff der Kirche enthält den Rupertsaltar mit dem sogenannten Felsengrab, dem ursprünglichen Grab von St. Rupert. Einige Knochen des Heiligen werden in einem Schrein im Altar im rechten Seitenschiff aufbewahrt; der Großteil der sterblichen Überreste von St. Rupert befindet sich jedoch in einem Reliquienschrein unter dem Hauptaltar des Salzburger Doms.

Grüfte in der Stiftskirche & Bibliothek von St. Peter

Im rechten Seitenschiff finden Sie noch eine weitere Gruft mit einem Heiligengrab, jenem des Heiligen Vitalis. Die Gruft ist aus rotem Marmor aus Adnet gestaltet und in einen Altar aus demselben Material integriert. Das Altarbild wurde von Martin Johann Schmidt gefertigt. Die Stuckarbeiten stammen von Benedikt Zöpf, der Rokoko Gitterstuck von Philip Hinterseer. Gefertigt wurde er 1768. Die Freskos und mehrere Gemälde stammen von Franz Xaver König. In den umgebenden Kapellen sind einige moderne Fresken von Anton Faistauer zu finden, nicht alle davon sind jedoch zugänglich. Beachten Sie auch das Grab von Michael Haydn, Komponist und Bruder des berühmteren Kollegen Joseph Haydn.

St. Peter beherbergt die älteste Bibliothek Österreichs. Als besonderes Juwel gilt das Verbrüderungsbuch aus dem 8. Jahrhundert. Die Bibliothek wurde in Stil des Rokoko im Jahre 1768 renoviert. Sie ist nicht öffentlich zugänglich und kann nur im Rahmen besonderer Führungen besichtigt werden. Sie enthält 100,000 Bände, eine Sammlung seltener Noten, Musikinstrumente, Handschriften und Archive des Stiftes. Touristen zieht es dagegen eher auf den Petersfriedhof mit seinen Katakomben und in den Peterskeller, der auf sein Gründungsjahr 803 verweisend den Anspruch erhebt, das älteste Restaurant der Welt zu sein.

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Links

http://www.stift-stpeter.at/
Stift St. Peter - offizielle Website

http://de.wikipedia.org/wiki/Stift_Sankt_Peter_%28Salzburg%29
Stift St. Peter auf Wikipedia

http://www.haslauer.at/
Peterskelle (Achtung: Nervige Musik!)

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